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Interview mit Präsident Wohlfeil, Handwerkskammer Karlsruhe


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Das letzte Jahr war in Sachen Ausbildung nicht einfach, wird 2021 besser?

Wohlfeil: Das Jahr 2020 war in der Tat schwierig, in unserem Kammerbezirk glücklicherweise zum Jahresende nur mit einem Minus von knapp 2% bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen (2.358). Bis Ende August in diesem Jahr sind wir im Vergleich auf dem Niveau des Vorjahres. Ich bin daher zuversichtlich, dass durch unsere Nachvermittlungsaktionen 2021 relativ gut wird. Allerdings: Wir haben derzeit noch fast 300 offene Lehrstellen für dieses Jahr, es könnten also noch Ausbildungsstellen besetzt werden.

Betriebe und Jugendliche kommen häufig nicht zusammen. Woran liegt das, und was kann man dagegen tun?

Ausbildungsplätze gibt es im Handwerk ausreichend. Es fehlt an den Bewerbern. Während Corona hat das „Matching“ nicht so geklappt, also das persönliche Kennenlernen. Ohne Ausbildungsmessen, Betriebsbesuche und Praktika war das kaum möglich. Aber es hat auch mit dem schon seit Jahren feststellbaren Trend zum Studium zu tun und dem fehlenden Wissen darüber, dass das Handwerk absolut vergleichbare Karriere- und Ausbildungsmöglichkeiten wie ein Studium bereithält. Das muss in der Berufsorientierung an den Schulen, gerade auch Gymnasien, viel stärker vermittelt werden.

Wie sehr erschwert die Corona-Pandemie in diesem Jahr ihre Bemühungen?

Ohne ausreichend Präsenzunterricht, Jobmessen, Praktika fehlt es vielen Jugendlichen schlicht an Informationen. Daher haben wir vom Handwerk den „Sommer der Berufsbildung“ angestoßen. Gemeinsam mit den Partnern der Allianz für Aus- und Weiterbildung informieren wir noch bis in den Oktober bei Aktionstagen, Sommercamps, Workshops über die ganze Vielfalt und die Optionen einer beruflichen Ausbildung mit der klaren Botschaft: Wer eine Ausbildung anfängt, hat eine gute Zukunft.

Was raten Sie jungen Menschen, die jetzt noch nach einer Lehrstelle suchen?

Informiert Euch unter www.hwk-karlsruhe.de. Dort werden mehr als 130 Ausbildungsberufe vorgestellt, zusammen mit einem Lehrstellenradar, in dem auch die offenen Ausbildungsplätze anzeigt werden. Oder ruft direkt bei der Handwerkskammer an. Wir haben Ausbildungsberater an allen Standorten, die weiterhelfen und auch den Kontakt zu Betrieben herstellen. Auch nach dem 01. September kann noch mit einer Lehre begonnen werden.

Die Konjunktur läuft relativ gut im Handwerk. Allerdings melden viele Sektoren fehlende Fachkräfte oder haben Beschaffungsprobleme. Wie gravierend ist das, was wir gerade erleben?

Aus eigener über 40-jähriger Tätigkeit im Handwerk kann ich sagen, eine solche Situation in den letzten Jahrzehnten noch nicht erlebt zu haben. Dass einzelne Materialien fehlen, das gab es immer einmal wieder, aber in dieser Breite noch nie. Das ist eine so noch nicht dagewesene Problemdimension, weil es gleichzeitig so viele Roh- und Baustoffe und weitere Materialien betrifft. In unserer letzten Konjunkturumfrage geben mehr als die Hälfte der Handwerksbetriebe an, dass sie unter massiven Beschaffungs- und Preisproblemen für die von ihnen benötigten Materialien leiden.

Droht aus Ihrer Sicht ein völliger Stillstand bei Sanierungen und Neubauprojekten, wenn die Engpässe nicht zeitnah aufgelöst werden können?

Die Gefahr eines völligen Stillstands bei Sanierungen und Neubauprojekten sehe ich nicht. Experten gehen davon aus, dass sich das Marktgefüge für die betroffenen Roh- und Baustoffe sowie Materialien in der zweiten Jahreshälfte wieder „normalisieren“ wird. Für die Kunden – insbesondere im Bau- und Ausbaubereich – erwarte ich dennoch längere Auftragsfristen. Für die Betriebe ist die Kalkulation von Angeboten schwierig, wenn die Einkaufspreise derart schwanken. Und auch die Fachkräfte fehlen.

Baden-Württemberg will in Sachen CO-2 Reduzierung in den nächsten Jahren weiter voran gehen. Sehen Sie hier Perspektiven für das Handwerk?

Handwerk gestaltet Zukunft. Energie- und Mobilitätswende, Klimaschutz, SmartHome und E-Health: All das setzen Handwerkerinnen und Handwerker um. Gerade um die Klimaschutzziele zu erreichen braucht es pfiffige Betriebe, die gute Produkte und Lösungen anbieten.
   

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